Keine Bautechnik hat das Selbermachen so demokratisiert wie der Trockenbau: Eine Wand, für die der Maurer früher Steine, Mörtel und eine Woche Trocknung brauchte, steht heute an einem Wochenende — Ständerwerk aus Metallprofilen, Beplankung aus Gipskarton, Dämmung dazwischen, fertig gespachtelt. Diese Anleitung führt durch den kompletten Bau einer nichttragenden Trennwand: von der Materialrechnung über das Ständerwerk bis zur spachtelfertigen Oberfläche.
Schritt 1: Material berechnen — Profile, Platten, Schrauben
Eine Standard-Trennwand (Einfachständerwerk, beidseitig doppelt beplankt) besteht aus erstaunlich wenigen Positionen, die sich alle aus der Wandfläche ableiten. Für eine Wand von 4 × 2,5 Metern (10 m²):
| Position | Faustwert | Beispiel 10 m² |
|---|---|---|
| UW-Profile (Boden/Decke) | 2 × Wandlänge | 8 lfm |
| CW-Profile (Ständer) | alle 62,5 cm + Anfang/Ende | 8 Stück à 2,5 m |
| Gipskartonplatten 12,5 mm | Fläche × 2 Seiten × 2 Lagen + 10 % | 44 m² ≈ 15 Platten (260×60) |
| Schnellbauschrauben | ca. 15 St./m² und Lage | ~600 Stück (25 + 35 mm) |
| Mineralwolle 60 mm | Wandfläche 1:1 | 10 m² |
| Fugenspachtel + Bewehrungsband | 0,45 kg/m² je Seite | ~9 kg |
Die exakte Stückliste für Ihre Wandmaße — inklusive Türausschnitt und einfacher oder doppelter Beplankung — liefert der Rigipsrechner; die Plattenrechnung im Detail erklärt Wie viele Rigipsplatten brauche ich?.

Schritt 2: Anreißen und UW-Profile setzen
Der Wandverlauf wird mit der Schlagschnur auf dem Boden markiert, mit Laser oder Lot an die Decke übertragen. Die UW-Profile bekommen vor der Montage ein Dichtungsband (Anschlussdichtung) auf den Rücken — es entkoppelt die Wand akustisch vom Baukörper und ist der Unterschied zwischen einer leisen und einer tönenden Wand. Befestigt wird alle 50 bis 80 cm mit Schlagdübeln in Boden und Decke; an Türöffnungen wird das Bodenprofil unterbrochen.
Schritt 3: CW-Ständer stellen — im Raster 62,5
Die CW-Profile werden 15 mm kürzer als die lichte Raumhöhe geschnitten (Blechschere, nie Flex — die zerstört den Korrosionsschutz) und im Achsabstand von 62,5 cm lose in die UW-Profile gestellt: nicht verschraubt, nur eingedreht. Das Raster ist kein Zufall, sondern die halbe Plattenbreite — so trifft jede Plattenkante auf einen Ständer. Die offene Profilseite zeigt in Montagerichtung, damit die erste Platte am geschlossenen Steg anliegt. An Türöffnungen werden die Ständer mit UA-Verstärkungsprofilen oder doppelt gestellten CWs ausgeführt und der Sturz aus einem UW-Abschnitt gebogen.
Das 62,5er-Raster ist die einzige Zahl, die man im Trockenbau auswendig können muss. Wer sie ignoriert, schraubt jede zweite Plattenkante ins Leere.
Sabine Köhler, Innenarchitektin
Schritt 4: Erste Seite beplanken
Die Platten werden stehend, fugenversetzt montiert: Schnellbauschrauben alle 25 cm (bei doppelter Beplankung: erste Lage alle 75 cm reicht), 1 cm vom Plattenrand, die Schraubenköpfe bündig versenkt ohne die Kartonlage zu durchreißen — der Tiefenanschlag des Trockenbauschraubers stellt genau das sicher. Unten bleibt ein 10-mm-Bodenabstand (Feuchteschutz, später von der Sockelleiste verdeckt). Zuschnitte: Karton anritzen, Platte über die Kante brechen, Rückseite nachschneiden — nach drei Platten sitzt der Handgriff.
Schritt 5: Installation und Dämmung — der Moment dazwischen
Jetzt, bei einseitig geschlossener Wand, kommen Elektroleitungen und Leerrohre durch die vorgestanzten H-Ausschnitte der Ständer, Hohlwanddosen werden später in die fertige Beplankung gefräst. Danach wird die Mineralwolle klemmend und vollflächig zwischen die Ständer gesetzt — sie ist der Schallschluck der Wand: Eine ungedämmte Doppelbeplankung klingt hohler als eine gedämmte Einfachbeplankung. Erst wenn Kabel und Dämmung sitzen, schließt die zweite Seite.

Schritt 6: Zweite Seite, zweite Lage
Die Gegenseite wird mit versetzten Fugen zur ersten Seite beplankt; bei doppelter Beplankung überdeckt die zweite Lage zusätzlich die Fugen der ersten (Versatz mindestens eine Ständerachse). Die Doppelbeplankung lohnt fast immer: +50 Prozent Schalldämmung, stabile Dübelgründe für Regale und Fernseher, bessere Brandschutzwerte — für rund vier Euro Mehrkosten pro Quadratmeter und Seite.
Schritt 7: Spachteln — von der Fuge zur Fläche
Fugen mit Kantenversatz werden angefast und angefeuchtet, dann Fugenspachtel eindrücken, Bewehrungsband einbetten (bei Q2-Anspruch und geschnittenen Kanten Pflicht), überspachteln, nach Trocknung ein zweiter Gang in Fläche, Schraubenköpfe einzeln nachziehen und spachteln, schleifen mit Gitter 120er-Korn. Welche Oberflächengüte für welchen Zweck reicht — sichtbares Q2 für Tapete, Q3/Q4 für Streiflicht und Glattflächen — schlüsselt Spachteln Q1–Q4 auf; ob überhaupt Gipskarton oder klassischer Putz die bessere Wandoberfläche liefert, vergleicht Verputzen oder Gipskarton.
Die richtige Platte für den richtigen Raum
Die weiße Standardplatte (GKB, 12,5 mm) deckt Wohnräume ab — daneben lohnen drei Spezialisten den Aufpreis: Grüne imprägnierte Platten (GKBI) gehören in Bad und Küche; sie sind feuchteresistent, nicht wasserfest — im Spritzbereich der Dusche kommt zusätzlich eine Abdichtung darüber. Rote Feuerschutzplatten (GKF) sind Pflicht, wo Brandschutzanforderungen gelten, etwa an Heizräumen. Blaue Schallschutzplatten mit höherer Rohdichte bringen 2–3 dB extra, wenn die Wand ein Schlafzimmer von der Waschküche trennt. Für schwere Lasten wie Waschbecken oder Wandklappbetten wird nicht die Platte verstärkt, sondern das Ständerwerk: Traversen und UA-Profile tragen die Last in Boden und Decke ab.
Zeitplan und Kosten für die 10-m²-Wand
Materialkosten 2026: rund 250 bis 350 Euro komplett (Profile, 15 Platten, Dämmung, Schrauben, Spachtel). Zeitbedarf zu zweit: ein Tag für Ständerwerk und Beplankung, ein halber für Installation und Dämmung dazwischen, plus zwei kurze Spachtelgänge mit Trocknungspausen. Der Trockenbauer berechnet für dieselbe Wand 90 bis 140 Euro pro Quadratmeter — die Eigenleistung spart hier vierstellig wie in kaum einem anderen Gewerk.
Werkzeug: die kurze Liste
Trockenbau braucht wenig: Blechschere, Cuttermesser mit Ersatzklingen, Trockenbauschrauber mit Tiefenanschlag (Leihgerät reicht), Schlagschnur, Wasserwaage oder Linienlaser, Dosenfräse fürs Elektrische, Spachtel in 15 und 25 cm plus Schleifgitter. Alles zusammen unter 100 Euro Anschaffung — oder ein Wochenende im Baumarktverleih.
Fazit
Eine Trockenbauwand ist ein Systembaukasten mit genau einer kritischen Konstante — dem 62,5er-Raster — und genau einer unterschätzten Zutat: der Dämmung im Hohlraum. Wer Material sauber rechnet, das Dichtungsband nicht spart und die Fugen mit Band statt Hoffnung spachtelt, baut an einem Wochenende eine Wand, die sich von der massiven nur durch den Klopftest unterscheiden lässt — und selbst den gewinnt die doppelt beplankte, voll gedämmte Ausführung erstaunlich oft.